DER GEBURTSORT DES TANGO

 

Der Geburtsort des Tango Argentino ist Buenos Aires.
Eine Stadt, die sich in kürzester Zeit von einer dünn besiedelten Provinz in eine prächtige Metropole verwandelte. Das Jahr 1880 erwies sich dabei als entscheidender Wendepunkt, denn in diesem Jahr wurde Buones Aires zur Hauptstadt der Republik erklärt.

In den 20iger Jahren erlebte Argentinien einen unglaublichen Wirtschaftsaufschwung und war in dieser Zeit eines der reichsten Länder der Welt. Das lockte etliche Einwanderer in die Hafenstadt Buenos Aires - etwa die Hälfte von ihnen waren Italiener, ein Drittel Spanier und der Rest eine Mischung aus anderen Nationalitäten..



Der Einfluß der Immigranten auf den ökonomischen Fortschritt und die nationale Kultur war immens. Die Stadt die noch 1884 als großes Dorf bezeichnet wurde entwickelte sich zur größten und zur glanzvollsten Stadt südlich des Äquators und wurde bald bekannt als "Paris von Südamerika".Aber wie alle großen Zentren hat auch Buenos Aires zwei Gesichter, neben dem eleganten und monumentalen Kern der Stadt entstanden in den äußersten Randgebieten der stetig wachsenden Stadt die sogenannten "arrabales" mit einfachen Häusern und ungeplasterten Straßen.

Die Bewohner dieser Stadtviertel waren eine bunte Mischung aus Soldaten, Seeleuten, Handwerkern mit kleinen Betrieben, Fabrik- und Schlachthofarbeiter,Viehtreiber Vagabunden etc., die in der Regel nur wenig Hang zur Seßhaftigkeit hatten. In diesen Vierteln war auch der"compadre",ein halb-städtischer Typ, der zumeist eine hochangesehene Person im "arrabal" darstellte,zu finden.Er arbeitete meistens als Fuhrmann oder trieb die Rinderherden aus der Pampa zum Schlachthof.

Obwohl die Welt der "Gauchos" (umherziehende Reiter der Pampa) inzwischen der Vergangenheit angehörte, gab es doch so einige Attitüden wie der Drang nach Unabhängigkeit, männlicher Stolz und Ehrenhändel mit dem Messer auszutragen, die die "compadres" übernahmen.
Viele meist in Argentinien geborene Männer aus ärmlichen Verhältnissen widerum machten sich das Auftreten der "compadres" zu eigen und nicht nur das, sie übertrieben dieses Verhalten.. Im Volksmund wurden sie compadritos genannt. Ein "compadrito" war an seinem grauen Hut, seinem Halstuch, seinen hochhackigen Stiefeln und seinem Messer sofort zu erkennen. Sie waren die jungen Wilden aus den "Slums",aber genau sie haben den Tango durch ihre Improvisationen in Kaschemmen, Bars und Bordellen (die wegen des Männerüberschusses überall legal und illegal zu finden waren) bekannt gemacht.

Warum der Tango und eine wunderbare Tradition populärer Musik ausgerechnet aus dieser Bevölkerungsschicht hervorging kann nur spekuliert werden. Sicherlich hat es etwas damit zu tun, daß Buenos Aires als Hafenstadt eine Brutstätte unterschiedlichster und neuer kultureller Strömungen war.