ASTOR PIAZZOLLA DER KÖNIG DES "TANGO NUEVO"

 

Astor PiazzollaAstor Piazzolla wurde am 11. März 1921 in Mar del Plata (Provinz Buenos Aires) geboren. Seine Eltern Vicente Piazolla & Asunta Mainetti emigrierten 1925 wegen der schlechten Wirtschaftslage nach New York wo der Vater in Grennwich Village in einem Friseursalon bei einem Mafioso arbeitete. So erlebte Astor Piazzolla all das, was man aus "Der Pate" oder "The Untouchables" kennt.
Er sagt selbst über sich "Ich bin in einem Klima der Gewalt aufgewachsen, deshalb bin ich so streitlustig geworden. Vielleicht hat das auch meine Musik geprägt."
Piazzollas musikalische Talent wurde früh erkannt.
Seinen Eltern zulieber lernte er neben dem Klavier auch das Bandoneon spielen, obwohl er gegen die Tango-Musik die sein Vater ständig hörte eine Art Widerwillen empfand.



Sein Herz gehörte mehr der Jazz-Musik. Trotzdem begann in New York seine Beziehung zum Tango, wo er zum einen unfreiwillig die Platten hörte die sein Vater besaß, zum anderen berührte ihn ein Film in dem Pedro Maffia Bandoneon spielte und die Begegnung mit Carlos Gardel 1934 wirkte wohl wie eine Liebespastille zugunsten des Tango.
Als Astor 16 Jahre alt war beschlossen seine Eltern nach Argentinien zurückzukehren, was in dem jungen Piazzolla keine Begeisterung wachrief. Sie liessen sich in Buenos Aires nieder. Bei einer Aufführung des Tango-Ensembles von Elvino Vardaro erlebte er zum ersten Mal eine neuartige Tango-Interpretation die ihn sehr begeisterte, woraufhin er sein Bandoneon-Spiel intensivierte und perfektionierte. 1939 nahm ihn Anìbal Troilo, für den er Stücke arrangierte in sein Orchester auf.

Nach einer Begegnung mit Arthur Rubinstein wurde er in seinem Wunsch bestärkt einen akademische Weg einzuschlagen. So begann er 1941 sein Musikstudium bei Alberto Ginastera. 1944 trennte sich Piazzolla dann von Troilo und bestritt 1946 sein Debut als Leiter eines eigenen Tango-Orchesters (Orquestra-Tìpica).
Schon nach drei Jahren löste er er das Orchester wieder auf. Es war für seine Zeit sehr modern was sich negativ auf die Auftragslage auswirkte.
1959 schrieb er seine erste Filmmusik zu "Con los mismos colores" ein Film von Leopoldo Torre Rios. Er begann den Swing für seine Arrangements auszunutzen. Damals hatte ihn der Jazz wieder ganz für sich eingenommen wie damals in New York..
Er selbst jedoch sagte über diese Arbeiten "Ich glaubte sie seien gut, aber wenn ich sie heute höre klingen sie furchtbar geschmacklos.". Ab 1950 widmete er sich vor allem der Orchester & Kammermusik , von seinen Tangos distanzierte er sich in der Öffentlichkeit, da er als Komponist ernst genommen werden wollte, was mit Tango-Musik zu dieser Zeit unmöglich war. In dieser Periode entstanden die Werke "Rapsodia portena", "Buenos Aires" und die "Sinfonietta".

1953 bringt Piazzolla "Tres Moviementos Sinfònicos" in Buenos Aires zur Uraufführung, wofür er den Fabien Sevitzky Preis gewinnt. Die Prämie war ein Stipendium in Europa. Er bewarb sich bei Nadia Boulanger die am Konservatorium von Fontainebleau bei Paris unterrichtete.
Über sie sagt er : "Ich hatte in meinem Leben zwei grosse Lehrer, Nadia Boulanger und Alberto Ginastera. Sie haben mich in alle Geheimnisse der musikalischen Technik eingeweiht. Nadia stelle ich in meiner Wertschätzung eine Treppenstufe höher, weil sie es war die mich auf den Weg gebracht hat, die mich den wirklichen Piazolla entdecken liess.". Sie bestärkte ihn darin auf dem Weg des Tangos und des Bandoneons fortzufahren.

1955 nach seiner Rückehr gründete er das Octeto Buenos Aires, aber die Arbeit war nur von kurzer Dauer.
Trotzdem bedeutete es für viele den Wendepunkt vom alten zum neuen Tango (Tango Nuevo).
Diese neue Art den Tango zu spielen traf bei vielen Leuten auf Kritik und Ablehnung.
Doch Piazzolla arbeitete unbeirrt weiter.
1958 kehrte er nach New York zurück, wo er 1959 sein populärstes Werk "Adiòs Nonino" in Gedenken an seinen gerade verstorbenen Vater komponierte. 1985 wird Piazzolla Ehrenbürger von Buenos Aires.

Im Laufe seines Lebens komponierte er über 300 Tangos, fast 50 Filmmusiken und machte ungefähr 40 Platteneinspielungen. Ein argentinisches Sprichwort sagt, das sich alles ändert nur nicht der Tango. Piazzolla hat das Gegenteil bewiesen, er hat den Tango revolutioniert indem er Jazzelemente und ungewöhnliche Harmonien einarbeitete.
Ausserdem bediente er sich der Klassik und der argentinischen Folklore und experimentierte mit der Zwölftonmusik. Später waren auch noch Einflüsse aus Rock & Pop zu erkennen.
Seine Tangos sind zwar kaum tanzbar, sie überzeugten aber schliesslich auch die Traditionalisten.
Heute wird Piazzolla auch in seiner Heimat neben Carlos Gardel als wichtigster Tangomusiker anerkannt.
Piazzolla starb am 4.Juli 1992 in Buenos Aires.