FRAUEN IM TANGO

 

Das der Tango männerdominiert ist, ist bekannt.
Die meisten Texte wurden von Männern geschrieben und es geht ausnahmslos um das "männliche Erleben". Die Tangos wurden zwar auch häufig von Frauen gesungen, aber dabei sangen sie über die Gefühle eines maskulinen Protagonisten aus einer männlichen Weltsicht heraus. Aus Hochachtung vor den Verfassern und ihren Versen blieben die Texte üblicherweise unangetastet.

Es gab zwar auch einige Ausnahmen, in denen Frauen mutig genug waren die Texte ihrem Geschlecht und ihren Empfindungen anzupassen, aber in den meisten Fällen schlüpften die Frauen in eine männliche Rolle und teilweise sogar in Männerkleidung wie z.B. Azucena Maizani die auch "La Nata Gaucha" genannt wurde und Mercedes Simone.





Aber nicht alle Texte wurden für Männer geschrieben. Nach einer Überlieferung soll die Sängerin Lola Candales aus Uruguay um 1910 die Bitte geäussert haben "Schreiben Sie doch bitte einen Tango der in Anwesenheit von Frauen gesungen werden kann, ohne das sie erröten". Daraufhin verfasste Angel Villoldo das Lied "La Marocha". Diesem Beispiel folgten andere Tango-Dichter, sodas bald schon Tangos eigens für Frauen geschrieben wurden. In dieser männerbeherrschten Domäne des Schreibens von Tango-Chansons schmuggelten sich auch ein Paar weibliche Autorinnen. Zu den ersten und produktivsten Tango-Dichterinnen gehört Maria Luisa Carnelli, die allerdings aus Rücksicht auf ihre Eltern unter dem männlichen Pseudonym "Luis Mario" oder "Mario Castro" ihre Arbeiten präsentierte, da das Dichten von Tango-Texten durch eine Frau gesellschaftlich verpönt war. Aus Ihrer Feder stammen unter anderem die Lunfardo Tangos "Cuando lora la Milonga", "El Malevo", Linyera" und "Se va la Vida", dem Azucena Maizani in Spanien zu grossem Erfolg verhalf.

A. Maizani war in den 30er Jahren die bekannteste "Canzionista". 1923 bat sie der Tango-Musiker Enrique Delfino mit der Begründung, der Text seines Tangos "Padre Nuestro" passe sehr gut zu einer Frau, das Lied im Teatro National uraufzuführen. Dieser Auftritt erwies sich als entscheidender Wendepunkt für Tango-Sängerinnen. Das Publikum feierte den Auftritt Maizanis und entliess sie erst nach fünf Zugaben. Im selben Jahr begann auch die erfolgreiche Karriere von Rosita Quiroga und bald folgten Sängerinnen wie Libertad Lamarque, Mercedes Simone, Tita Merello, Sofia Bozàn und Ada Falcòn.

Sie alle machten Plattenaufnahmen und traten in den 30er Jahren in Filmen auf, die ihnen Ruhm & Reichtum brachten. Maizani sang oft sehr maskuline Tangos und trat in den Filmen häufig in Männerkleidung auf.

Ada Falcon
Tita Merello